Auktion 124 April 2015

Melchior Daniel Hoppert. 1689 - Nürnberg - 1769.















Auktion: Auktion 124 April 2015
Sachgebiet:124Uhren
Ausrufnummer:2931
Ausrufpreis:9800 Euro

Zuschlagspreis: 9800 Euro
Info:
Melchior Daniel Hoppert. 1689 - Nürnberg - 1769. Nürnberger Bodenstanduhr. Mitte 18. Jh.GehäuseDreifach gegliedertes, poliertes Holzgehäuse. Nussbaumfurnier mit Bandintarsien und profilierten Zierleisten. Tailliertes Mittelteil mit verschließbarer Türe. Elliptischer verglaster Ausschnitt im Pendellinsen-Schwingbereich. Abnehmbarer prunkvoller Aufsatz mit vollplastischen Darstellungen der ersten Apostelfürsten Petrus und Paulus. Als Bekrönung die Figur des Chronos, wobei die Sense fehlt. Verglaste Zifferblattüre mit Rundbogen, begleitet von salomonischen Holzsäulen, deren Basen und Kapitelle vergoldet. Metall-Zifferblattfronton mit vergoldeten Bronzereliefen und acht Automaten, die gleichzeitig im Viertelstunden-Rhythmus bewegt werden (u.a. Arme und Köpfe der Dargestellten). Aufgelegter Ziffernring. Hilfszifferblatt für kleine Sekunde, zentrale Weckerstellscheibe. Ausschnitt für Tagesdatum bei der 'VI' mit filigran perforierter Umrandung. Perforierte Stahlzeiger. Bei der 'XII' im Ausschnitt orientalisch anmutender Kopf des Pilatus, der sich im Pendelschwingrhythmus seitlich hin und her bewegt. Begleitet von dem Schriftzug: 'Pilatus Sinn nehmt Ihm hin'. Ziffernring bezeichnet: 'Melchior Daniel Hoppert Nürnberg' (vgl. Abeler, 256). Am Zifferblatt-Rundbogen Stellhebel zur Schlagwerkan- und -abstellung. Am Zifferblattrand Automatenan- und -abstellmöglichkeit.WerkMassive rechteckige Messingvollplatinen, Ankerhemmung, Federaufhängung des hinteren Langpendels mit Sonnenemblem. Nodierte Werkpfeiler. Viertelstunden-Rechenschlagwerk, Repetition. Schlag auf zwei Glocken, Weckerwerk. Drei Seilzüge mit Umlenkrollen und Gewichten.Ikonographische DeutungDie Zifferblattszenerie entfaltet ein hochkomplexes Bildprogramm, das fünf Szenen des Alten und Neuen Testamentes vorstellt. Beginnend oben rechts zeigt es im Uhrzeigersinn 'Die Opferung Isaaks', 'Das Gebet in Gethsemane', 'Der Einzug Christi in Jerusalem' und den 'Kampf zwischen Kain und Abel'. Im Rundbogen ist die 'Gefangennahme Christi' dargestellt. Die augenfällig typologischen Bezüge zwischen Altem und Neuem Testament sowie die Apostelfiguren auf dem Gehäuse weisen die prachtvolle Standuhr als Auftragsarbeit für einen hochstehenden Kirchenfürsten aus, der in der Lage war, das komplexe Bildprogramm zu deuten und zu lesen. Vermutlich wurde es überhaupt erst auf den speziellen Wunsch eines hohen Klerikers hin entworfen. Der professionelle Entwurf, der auf graphische Vorlagen zurückgehen dürfte, fand seine Entsprechung in der handwerklich meisterhaften Ausführung der Automaten.Melchior Daniel HoppertDer Kunstschlosser und Großuhrmacher wurde am 24. März 1689 in Nürnberg als Sohn des Kunstschlossers Bartholomäus Hoppert und dessen Gattin Katharina Söldel geboren. Im Alter von 28 Jahren erwarb er von seinen Geschwistern das elterliche Anwesen unter der Adresse Am Laufer Schlagturm 4 für 1600 Gulden. Ein Jahr später (1718) wurde er am 20. September in die Meisterliste der Nürnberger Uhrmacher eingetragen. Er verstarb in seiner Heimatstadt, die ihn mit einer Straßenbenennung ehrte, am 30. August 1769

Abkürzungsverzeichnis