Auktion 126 September 2015

Heidrun Hegewald. Geb. 1936 in Meißen. 1958-60 Studium der Graphik an der Kunsthochschule Berlin Weißensee. 1971-74 Meisterschülerin von Werner Klembe an der Akademie der Künste der DDR. Tätig in Berlin.











Auktion: Auktion 126 September 2015
Sachgebiet:126Moderne und Zeitgenössische Kunst
Ausrufnummer:1459
Ausrufpreis:9000 Euro

Zuschlagspreis: 9000 Euro
Info:
Heidrun Hegewald. Geb. 1936 in Meißen. 1958-60 Studium der Graphik an der Kunsthochschule Berlin Weißensee. 1971-74 Meisterschülerin von Werner Klembe an der Akademie der Künste der DDR. Tätig in Berlin. Sign., 1984 dat. und bet. 'Pietà'. Rs. bez., dat. und bet. Öl/Hartfaserplatte. 120 x 110 cm. R. Literatur: Abb. in Angelika Haas/Bernd Kuhnert (Hrsg.), 'Heidrun Hegewald. Zeichnungen, Malerei, Graphik, Texte', Berlin 2004, S. 78. Provenienz: Aus einer deutschen Privatsammlung

Das annähernd quadratische Format der vorliegenden, in Braun- und Olivtönen gehaltenen Komposition zeigt eine den gesamten Bildraum ausfüllende Gruppe von drei Personen. Vor einem undifferenziert gestalteten Hintergrund ruht schwer ein toter männlicher Körper im Schoß einer Frau. Tief über ihn gebeugt gibt sie ihm Halt. Zu den beiden Figuren, die - nebst dem von der Künstlerin gewählten Titel - aufgrund ihres Darstellungstypus als Pietà zu deuten sind, gesellt sich eine nackte Schwangere, die eine Gasmaske trägt.

Die Gasmaske, die jegliche Individualität der werdenden Mutter negiert, rekurriert auf den ab Mitte des 20. Jahrhunderts geführten Diskurs der AKW-Politik innerhalb Deutschlands, expliziter der Auseinandersetzung mit der potentiellen nuklearen Bedrohung für die gegenwärtige und zukünftige menschliche Existenz. Vor diesem Hintergrund löst sich die Pietà-Figuration, ein in Hegewalds künstlerischem Schaffen wiederkehrendes Motiv, aus dem christlichen Kontext und wandelt sich zum universellen Symbol des Verlustschmerzes.

Die 'Pietà' lässt sich als Warnung vor politischen Entscheidungen lesen, die für die postmoderne Zivilisation möglicherweise existentielle Konsequenzen haben können und gemahnt den Rezipienten zum Nachdenken über die gegenwärtige gesellschaftliche Realität. Die Künstlerin intendiert 'der vielschichtigen, widersprüchlichen, komplizierten, auch apokalyptischen Wirklichkeit gerecht zu werden. [...]. Die Erschütterungen, die sie erfährt und an die Betrachter ihrer Bilder weitergibt, können und sollen schmerzen; sie sollen aufstören, Nachdenken und Aktivität produzieren' (zit. nach Peter Michel in 'Heidrun Hegewald' (2004), S. 82 ff.)

Abkürzungsverzeichnis